Schützenverein Hiddingen e.V. von 1921

 

 

Ein kleiner Einblick in unsere Vereinsgeschichte...

Am 13. Juni 1921 trafen sich in Hibbes Gasthaus zehn Hiddinger Bürger, um einen Schützenverein zu gründen. In fast allen Gemeinden des Kirchspiels waren Schützenvereine schon früher gegründet worden. In Hiddingen kam man erst verhältnismäßig spät dazu, weil vor dem ersten Weltkrieg der Kriegerverein Hiddingen sehr aktiv diese Aufgaben wahrgenommen hatte. Davon zeugen noch viele alte Schützenscheiben.

Nachdem zunächst ein vorläufiger Vorstand gewählt worden war, wurde am 25. November 1921 die erste Generalversammlung abgehalten. 22 neue Mitglieder wurden aufgenommen und ein endgültiger Vorstand gewählt. Es wurden folgende Bürger berufen: zum Hauptmann Heinrich Hoins, zum Oberleutnant Heinrich Meyer, zum Leutnant Friedrich Möhrmann, zum 1. Feldwebel Hermann Twiefel, zum 2. Feldwebel Hermann Gebers, zum Tambour-Major Heinrich Vahjen.

1922 wurde das Bundesschützenfest als Stiftungsfest dem Hiddinger Verein übertragen. Das Eintrittsgeld wurde auf 20 DM festgesetzt. Die Feste sollten im Wechsel bei den Gastwirten Röhrs und Hibbe gefeiert werden. Der Verein entwickelte große Aktivität, so dass im Jahre 1922 fünf Generalversammlungen abgehalten wurden. Auf jeder Versammlung wurden neue Mitglieder aufgenommen.  Da man in der damaligen Zeit grundsätzlich anders lebte als heute – ohne Radio, TV, Auto – waren die Schützen- und Erntefeste immer ein großes Ereignis, an dem alle Bürger teilnahmen, zumal es Gesprächsstoff für längere Zeit gab. Da man nicht motorisiert war, kamen junge Männer mit dem Fahrrad aus den Nachbargemeinden zu den Festen. Es war Brauch, dass ein Fremder sich durch einige Runden Bier und Korn erst die Duldung erlangen mussten, mit einem Hiddinger Mädchen tanzen zu dürfen. Da natürlich nicht jeder willens oder in der Lage war, solche Runde zu spendieren, kam es eigentlich in den 20er Jahren auf jedem Fest zu mehr oder weniger großen Schlägereien.

Nachdem auf der Generalversammlung eine Satzung nach dem Muster Schwitschens angenommen worden war, wurde 1921 beschlossen, eine einheitliche Mütze anzuschaffen und den Schießstand bei Gastwirt Röhrs in Ordnung zu bringen. Damals wurde auf dem 100-Meter-Stand mit großkalibrigen Karabienern geschossen. Für Nichtkenner, wegen des großen Rückschlags, oft mit großen blauen Flecken an der Schulter verbunden.

Das Bundesfest 1922 erbrachte Einnahmen von 8.847 Mark. Es verblieb ein Reingewinn von 2.729 Mark. Diese hohen Zahlen ergeben sich aus der damaligen Inflationszeit. Eintritt für Herren betrug 30 Mark, Damen zahlten 15 Mark. Beim Schützenfest 1923 betrug das Eintrittsgeld 500 Mark, bzw. 250 Mark. Das Schussgeld für die Königsscheibe betrug 2.000 Mark.

Auf der Generalversammlung 1924 wurde festgestellt, dass der Kassenbestand noch 4 Millionen Mark beträgt. Wörtlich aus der damaligen Niederschirft: „ Durch die rasende Papiergeldwirtschaft ist alles über den Haufen geworfen und es bleibt nichts anderes übrig, als einfach einen Strich durch die Rechnung zu machen.“ Der neue Jahresbetrag wurde auf eine Goldmark festgesetzt.

Am 22. August 1924 wurde beschlossen, eine neue Vereinsfahne anzuschaffen. Der Preis betrug 495 Reichsmark. Am 10. Juni 1925 wird die Fahnenweihe mit einem großen Festakt auf dem Eichenhof vor dem Böschenhof durchgeführt. Der Umzug wurde angeführt von zwei Herolden. Auf dem Festwagen die Germania mit zwei Germanen im Bärenfell und zwei Rittern in voller Rüstung zu Pferde. Die Germania wurde von Dora Meyer, die Herolde von Hermann Voss und Christel Carstens, die Ritter von Heinrich Eimer und Heinrich Freudenthal dargestellt. Das Dorf war mit über 20 Ehrenpforten geschmückt.

Ein Wort sollte hier noch über den Schützenhauptmann Heinrich Hoins gesagt werden, der durch seine Persönlichkeit, seine Souveränität und sein Auftreten bestach. Wenn ihm die angetretene Kompanie – zu der auch eine Gewehrabteilung gehörte – gemeldet wurde und er mit einem jovialen „Moin Leute“ diese begrüßte, dann wurde dieser Gruß unter Präsentieren des Gewehrs mit einem donnernden „Moin, Herr Hauptmann“ erwidert.

1926 wurde beschlossen, dass der Schützenkönig vom Verein 20 Reichsmark (zuvor 2 Liter Korn und ein Fass Bier) erhält.

1929 wurde beschlossen, einheitliche Schützenjacken anfertigen zu lassen. Der Preis betrug 32 Reichsmark. In diesem Jahr wird zum ersten Mal mit KK geschossen. Das Schützenfest wurde am zweiten Sonntag und Montag im Mai gefeiert. Es spielten immer die Visselhöveder Musikanten mit sechs bis neun Mann.

Am 19. März 1930 verstarb nach schwerer Krankheit der Kassierer des Vereins, Hermann Gebers, im Alter von 39 Jahren.  In bewegenden Worten wurde seiner in einer Versammlung gedacht. Als neuer Kassierer wurde Heinrich Freudenthal gewählt. Da der Kassenbestand in diesem Jahr ein Minus von 46,71 DM aufwies, wurde der Jahresbeitrag auf zwei DM erhöht.

Der Jahresbericht 1932 vermerkt, dass durch die herrschenden Notzeiten der Besuch an den Festlichkeiten allgemein zu wünschen übrig ließ und daher auf ein Bundesschützenfest verzichtet wurde. 1933 wurde zum ersten Mal auch ein Jugendkönig mit LG ausgeschossen In diesem Jahr waren Vater und Sohn (Hermann und Georg Twiefel) Schützenkönige. 1934 war es wieder so (Heinrich und Heinz Freudenthal). In diesem Jahr mussten wir dem Reichsverband Deutscher KK Schützenverbände beitreten.

Im Oktober und November wurde der Verein durch den Tod von Hermann Twiefel und Friedrich Möhrmann erschüttert. Neuer Schriftführer wurde Otto Hibbe und Schützenleutnant Christel Carstens.

Der neue politische Wind drang bis in die untere Ebene der Vereine. Alle Mitglieder unter 55 Jahren mussten am KK-Übungsschießen teilnehmen. Ein Opferschießen für die Winterhilfe musste durchgeführt werden.

1935 wurde ein neuer 50-Meter-Schießstand gebaut. Das Holzhaus wurde mit 40 Männern vom alten zum neuen Stand getragen.

1936 werden für das Freischießen an beiden Tagen 50 bis 60 Reichsmark aufgewandt. Das gemeinsame Essen kostete pro Mann 1,25 RM. Tanzgeld für Männer 1 RM, Frauen 75 Pf.

In der Niederschrift des Jahres 1938 wird deutlich, dass sich im Verein doch teilweise großer Unmut über die diktatorischen Bestimmungen des neuen Systems breitmachte. Der Schützenhauptmann Heinrich Hoins und Schriftführer Otto Hibbe stellten ihre Ämter aus diesem Grund zur Verfügung. Es wurde sogar verlangt, eine neue Fahne anzuschaffen, weil das Schwarz-Weiß-Rot der alten Fahne dem neuen Machthaber zuwider war. Mit der Niederschrift vom 6. Mai 1939 endete der erste Abschnitt des Vereinslebens.

Nach dem Krieg 1939/45, aus dem so manche liebe Kameraden und Freunde nicht mehr heimkehrten, trafen sich am 13.5.1950 die alten Mitglieder des Vereins und beschlossen das Wiederaufleben. 36 Bürger erklärten ihren Beitritt. Es waren teils alte, aber auch viele neue Mitglieder. Der neue Vorstand: 1. Vorsitzender Heinrich Freudenthal, 2. Vorsitzender Heinrich Hoins, 1. Schriftführer Detlef Wendrich, 2. Schriftführer Willi Carstens, 1. Kassierer Heinrich Eimer, 2. Kassierer Heinrich Brunkhorst.

Die Feste wurden in althergebrachter Weise gefeiert. Viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge die in Hiddingen ihre zweite Heimat gefunden hatten, wurden Mitglied des Vereins. Bis heute hat der Schützenverein Hiddingen als Bindeglied zwischen allen Bürgern für das dörfliche Leben eine außerordentlich große Bedeutung, weil er fast aus jedem Haus des Dorfes und aus allen Schichten seine Mitglieder zu einer großen Gemeinschaft zusammengefasst hat.

Es wurden aktive Sportschützengruppen gebildet. Die Erfolge blieben nicht aus: Der Bundespokal wurde in den Jahren 1953/1954 und 1955 errungen und kam damit in das Eigentum des Vereins. Bei den Vereinsmeisterschaften 1955 wurde die erste Mannschaft Vereinssieger und Hans Baden Vereinsmeister.

1956 löste Erich Cohrs den bisherigen 1. Vorsitzenden Heinrich Freudenthal in seinem Amt ab. Zum 1. Kassierer wurde Hermann Hoins gewählt. Otto Hibbe sen. wurde 1957 zum vierten Mal in ununterbrochener Folge Bundesmeister.

1958 wurde zum ersten Mal das Schützenfest am Sonnabend und Sonntag anstatt Montag gefeiert. Finanziell war dies sehr günstig. 1960 wurde Helmut Gebers als Schießwart von Detlef Wendrich abgelöst. Detlef Wendrich übergab sein Amt als Schriftführer an Georg Twiefel.

Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens wird 1961 das Bundesschützenfest (elf Vereine) mit einem Festakt unter den schönen Eichen des Meyerhofes begonnen.

1964 hatte der Verein 78 Mitglieder. Drei Scheibenzuganlagen wurden angeschafft. Otto Hibbe sen. wurde Vereinsmeister im KK und LG und danach Bezirksmeister. Damit wurde er erfolgreichster Sportschütze des Vereins. Als Anerkennung erhielt er die silberne Schießschnur. Ab 1965 wird nur noch an einem Tag Schützenfest gefeiert. 1967 wurden nach langer Zeit wieder einmal Vater und Sohn (Erich und Erwin Schröder) Schützenkönige. Der Jahresbeitrag wird von 12 DM auf 20 DM erhöht.

Nachdem der Schießstand vom Kreis gesperrt war, wurde in einer einmaligen Gemeinschaftsarbeit von Schützenbrüdern und Handwerkern eine vorschriftsmäßige Anlage errichtet. Die Gesamtkosten von 5.000 DM konnten aus eigener Kraft aufgebracht werden. 1967 drehte ein Fernsehteam des NDR einen Film in Hiddingen, in welchem auch der Verlauf des Schützenfestes festgehalten wurde. Dieser Film fand später im Fernsehen eine sehr gute Resonanz.

1968 wurde eine neue Satzung angenommen und der Verein beim Amtsgericht als eingetragener Verein registriert. 1968 wurde Otto Meyer zum ersten Vorsitzenden und Hans Baden zum 2. Vorsitzenden gewählt.

1971 wurde das 50-jährige Vereinsjubiläum ein großes gelungenes Fest. 17 Vereine mit über 400 Schützen nahmen an dem Umzug teil, welcher von einer 35 Mann starken Blaskapelle aus Freiburg/Breisgau angeführt wurde. Schützenhauptmann Otto Meyer, Bürgermeister Georg Twiefel und stellvertretender Landrat Helmut Tietje konnten unter den schattigen Bäumen im Park von Meyers Hof viele Gäste begrüßen. Es war der Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte.

1972 wird eine Damengruppe im Schützenverein gegründet. Dörte Müller wurde Vereinsmeisterin im LP-Schießen. 1973 stellte der Verein fünf Kreismeister.

In einer wunderbaren Zusammenarbeit wurde für 20.000 DM ein Luftgewehrschießstand gebaut. Neben sehr viel Eigenleistung erklärten sich die Mitglieder zur Zahlung einer Umlage von 100 DM bereit. Die Gemeinde Hiddingen leistete einen Zuschuss von 3.000 DM.

Die Sportschützen waren auch 1976 wieder sehr erfolgreich. Fünf Kreismeistertitel wurden verbucht. Die Jugendmannschaft mit Axel Eimer, Wolfgang Wendrich und Holger Eimer errang bei den Landesmeisterschaften unter 20 Mannschaften den dritten Platz.

Der Kleinkaliberstand wurde modernisiert. Die geschätzten Kosten von 12.000 DM verdoppelten sich auf 24.000 DM. Aber auch hier waren die Mitglieder zu einer Umlage von 100 DM bereit. Zuschüsse wurden von den Jagdpächtern und der Gemeinde bezahlt.

1977 konnte der Verein wieder fünf Kreismeister stellen. Die Damenmannschaft wurde auch Bezirksmeister mit Bezirksrekord.

1979 hatte der Verein 110 Vollmitglieder, 21 Ehrenmitglieder und neun Jugendliche. Georg Twiefel wurde zum 2. Vorsitzenden , Günter Hollmann zum 1. Schriftführer und Gerd Görse zum Kassierer in den geschäftsführenden Vorstand gewählt.

Die Schützenschwestern Gerda Heße und Irmtraud Hollmann hatten in mühsamer Kleinarbeit die alte Schützenfahne repariert und restauriert, sodass sie wieder in alter Schönheit erstrahlte. Ihnen wurde dafür recht herzlich gedankt.

1980 wurde der KK-Schießstand renoviert und modernisiert. Der Landkreis Rotenburg zahlte für die neuen Scheibenzuganlagen einen Zuschuss von 3.500 DM. 1980 war nach dem Bericht des Schießsportleiters  Rudolf Lünsmann das erfolgreichste Jahr der Sportschützen des Vereins: Drei Mannschaften nahmen mit guten Ergebnissen an den Landesmeisterschaften teil. Joachim Kroll konnte sogar an den Bundesmeisterschaften mit guten Ergebnissen teilnehmen.

1981 feierte man das 60. Jubiläumsfest unter Beteiligung vieler auswärtiger Vereine. Am Erntefest wurden über 400 Eintrittkarten verkauft. Ein Besuch wie nie zuvor.

Detlef Wendrich wurde für seine langjährige Tätigkeit im Vorstand des Kreisschützenverbandes mit einer Beförderung zum Schützenhauptmann geehrt. Anneliese von Wieding wurde als die erfolgreichste Sportschützin der letzten Jahre besonders geehrt.

Auf der Generalversammlung am 1. Februar 1985 verzichtete der größte Teil des Vorstandes auf eine Wiederwahl, um für einen Generationswechsel den Weg frei zu geben. Es zeugt von dem guten Geist innerhalb des Vereins, dass dieser Wechsel ohne große Erschütterungen vollzogen wurde.

Mit frischem jugendlichen Schwung ist dieser neue Vorstand an die Arbeit gegangen, ohne dass irgendwelche Scherben zurückgeblieben sind. Der neue Vorstand bestand jetzt aus: 1. Vorsitzender Hermann Lade, 2. Vorsitzender Manfred Piek, 1. Schriftführer Rainer Thomas, 1. Kassierer Klaus Twiefel, 2. Schriftführer Helmut Meyer, 2. Kassierer Jochen Lade, 1. Schießsportleiter Martin Schröder, 2. Schießsportleiter Holger Eimer, Jugendwart Jürgen Bremer, Damenleiterin Birgit Schröder.

Georg Twiefel

 

 

 

 

 

 

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